Wie wichtig ist die Geburtenrate?

Wir sind auch die Alternative zur offen betriebenen Herabsetzung und Verhöhnung der Familie. Als natürlichste aller Gemeinschaften genießt für uns die Familie eine besondere Bedeutung und bedarf daher des besonderen Schutzes. … Ziel einer Familienpolitik … ist, die wertestiftenden Funktionen der Familie zu stärken und die Geburtenrate zu erhöhen. (Quelle: AfD-Wahlprogramm Landtagswahl Sachsen 2014, S. 2f.)

Von Susanne Lohmann

Hartnäckig hält sich in konservativen Kreisen die irrige Auffassung, Hebammen könnten ihreVertrauensstellung bei Schwangeren und Müttern oder ihre gesellschaftliche Position ganz allgemein dazu nutzen, Frauen dazu zu bewegen, mehr Kinder zu bekommen.

Seit Jahrzehnten ist die Geburtenziffer in Deutschland weit von den 2,1 Kindern pro Frau entfernt, die nötig wären um die Einwohnerzahl allein aus der Nachkommenschaft der hiesigen Bevölkerung stabil zu halten. Relativ konstant liegt sie mit 1,4 Kindern pro Frau auch im europäischen Vergleich im unteren Drittel.

Soziologische Untersuchungen der letzten Jahrzehnte zeigen, dass Frauen und Männer im entsprechenden Alter die Frage, ob und wann sie ein Kind bekommen wollen, nur schwer zu beantworten können. Ein Großteil wünscht sich Kinder, viele bleiben dennoch kinderlos; am häufigsten, weil sie nicht den richtigen Partner, die richtige Partnerin dafür finden.

Ob Kinder in den eigenen Lebensplan von Frauen passen hängt aber auch von Faktoren ab, auf die staatliche Politik Einfluss nehmen kann: beispielsweise das allgmeine Einkommensniveau von Paaren, die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie und inwieweit es gesellschaftlich akzeptiert wird, wenn Mütter mit jüngeren Kindern berufstätig sind.

Im AfD-Wahlprogramm für Hamburg (S. 26) wird hier ein Gegensatz zwischen Frauenförderung und sogenannter „Elternförderung“ konstruiert und dahin gegend gelöst, dass man Berufstätigkeit von Vätern fördern wolle. Frauen wird damit nahegelegt, in die traditionelle Rolle der Familienmutter zurück zu kehren oder sich eben allein durch’s Leben zu schlagen.

Es stellt sich die Frage, durch welche staatlichen Eingriffe die AfD sonst noch auf die Geburtenziffer Einfluss nehmen will.

Ginge es darum, mehr ungewollte Kinder zu bekommen, könnte man dies durch Einschränkung von Sexualaufklärung (Andeutungen in diese Richtung finden sich im AfD-Wahlprogramm für Sachsen 2104: S. 7) und effektiven Verhütungsmitteln errreichen. Die Folgen wären vermutlich zunehmende Fälle von Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlungen und eine insgesamt abweisende Erziehungshaltung gegenüber den unerwünschten Kindern.

Eine weitere Konsequenz wäre die Zunahmen (illegaler) Schwangerschaftsabbrüche, die, wenn sie nicht fachgerecht ausgeführt werden, steigende Fälle schwerer Blutungen und Infektionen nach sich ziehen und für die Frauen lebensgefährlich werden können. Also gäbe es wieder Zustände wie in den 1960er Jahren, vor den Errungenschaften der zweiten Frauenbewegung.

Ein weiterer wichtiger Faktor in der Geburtenentwicklung ist die Frage, ob und in welchem zeitlichen Abstand eine Frau ihr zweites Kind zur Welt bringt. Außer von den obengenannten allgemeinen Faktoren scheint das davon abzuhängen, welche Erfahrungen Frauen bei ihrer ersten Geburt machen. Traumatische Erlebnisse und mangelnde Betreuung wirken abschreckend und verschieben den Entschluss zu einer weiteren Schwangerschaft zumindest über Jahre.

Durch einen besseren Personalschlüssel der Hebammen in den geburtshilflichen Abteilungen ließe sich hier viel verbessern. Davon ist aber nicht die Rede bei der AfD Hamburg. Insgesamt scheint die Gesundheitspolitik bei der AfD noch eine große Leerstelle zu sein.

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