So lange brauchen wir Gleichstellungsgesetze

In der Privatwirtschaft wie im Öffentlichen Dienst muss bei Stellenbesetzungen im Grundsatz die Qualifikation, nicht das Geschlecht den Ausschlag geben. Chancengleichheit für Frau und Mann auf allen gesellschaftlichen Feldern zu unterstützen und einzufordern muss das übergeordnete Ziel der Politik sein, anstatt Quotenregelungen und einzelfallbezogene Vorschriften zu erlassen. (Quelle: Europa-Wahlprogramm)

Von Karin Schönewolf

Es wäre ja so wunderbar, wenn Chancengleichheit das übergeordnete Ziel der Politik wäre. Stimmt, dann bräuchten wir keine Quote oder „einzelfallbezogene Regelungen“. Da dies aber nicht der Fall ist, brauchen wir Quoten und gesetzliche Regelungen.

Im Öffentlichen Dienst haben die Gleichstellungsgesetze immerhin schon vielen Frauen zu qualifizierten Jobs verholfen. Und das ist gut so und immer noch ausbaufähig. Auch wenn das neue Gleichstellungsgesetz da etwas anders gestrickt ist und auch Männer, wenn sie in der Minderheit sind, als ein diskriminiertes Geschlecht mit aufgenommen hat. Aber das ist eine andere Baustelle.

In der Privatwirtschaft hat die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen zur Frauenförderung, wie befürchtet, zu fast keinen Veränderung geführt. Deshalb bedarf es auch da gesetzlicher Vorschriften, die regeln, dass auch in der Privatwirtschaft bei gleicher Qualifikation bevorzugt Frauen einzustellen sind, bzw. Leitungsfunktionen mit Frauen besetzt werden müssen.

Dabei muss dann auch hinterfragt werden, wer definiert, was Qualifikation ist. Im Zweifel gilt da die männliche Norm und entsprechende Kriterien, die Frauen aufgrund ihrer Lebensverläufe nicht erfüllen können, wohl aber Fähigkeiten mitbringen, die auch im Job gefragt sind. Bzw. es wirken die Männernetzwerke, in denen sich die Männer gegenseitig die Jobs zu schieben.

Dazu gehört auch, dass Frauen aufgrund ihrer Erziehung nicht sofort hier schreien, obwohl sie die nötigen Eigenschaften und Fähigkeiten für bestimmte Jobs haben. Das ist sicher auch einer der Gründe, weshalb Frauen weniger in gut bezahlten Jobs zu finden sind. Und dies wiederum ist einer der Gründe, weshalb Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer.

In Deutschland beträgt der Lohnunterschied immer noch durchschnittlich 22% und das ist ein Skandal. Ein Entgeltgleichheitsgesetz könnte da Abhilfe schaffen, in dem es Gehaltsstrukturen transparenter machen würde und bisher nicht sichtbare geschlechtsspezifische Gehaltsunterschiede in Deutschland sichtbarer und bekämpfbarer machen würde.

Zwei weitere Aspekte würden helfen, die Lohnunterschiede zu minimieren. Zum einen die ideelle und materielle Aufwertung der Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, wie z.B. die Erzieherinnen oder der Frauen, die in der stationären oder ambulanten Pflege tätig sind. Da bedarf es auch des eigenen Umdenkens und des Wertschätzens der Arbeit, die Frauen in den Berufen leisten.

Zum anderen braucht es die konsequente Anwendung des eg-checks bei der Erstellung von Tarifverträgen.

Solange es keine Selbstverständlichkeit ist, dass es genauso viel oder sogar mehr Frauen in Führungspositionen gibt, brauchen wir Quotenregelungen. Solange sogenannte Frauenberufe nicht mindestens genauso wertgeschätzt und entlohnt werden, wie sogenannte Männerberufe, solange braucht es gesetzliche Regelungen, die da Abhilfe schaffen.

Es ist illusorisch zu glauben, dass die strukturelle Diskriminierung von Frauen ohne Eingreifen des Staates und der Politik zu beseitigen ist.

karinschöndorf

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