Alle Lebens- und Liebensformen benennen

Die kleinen Stöpsel tun mir Leid, wenn sie in der Schule jetzt beigebracht bekommen, was Lesben unten rum machen. (Beatrix von Storch, Quelle: Der Tagesspiegel)

Von Gila Rosenberg

Liebe Frau von Storch!

Zu allererst folgendes: es gibt Worte für „untenrum“. Auch wenn Ihnen das anscheinend entgangen zu sein scheint, ist es wichtig und gesund, dass Mädchen und Frauen ihre Geschlechtsorgane benennen können. Wie wäre es z.B. mit Vagina, Scheide…? Selbst die Bezeichnungen „Genitalien“ oder „Geschlechtsorgane“ wären nicht so abwertend und negierend wie das Wort „untenrum“: Aber das nur am Rande. Sie haben definitiv das Prinzip von Aufklärung und der Darstellung (sexueller) Vielfalt in Schulen nicht begriffen und es ist mir schleierhaft, was genau Ihnen so große Angst macht. Ich werde es ganz einfach erklären: es geht NICHT um die explizite Darstellung unterschiedlichster Sexpraktiken (ging es auch noch nie), sondern um die Einbindung aller Lebensformen in den Unterricht.

So könnte in einer Mathematikaufgabe von einem lesbisches Paar, in einem Deutschaufsatz über einen schwulen Mann, oder auch im Biologieunterricht über Trans- und Intersexualität gesprochen werden. Es geht auch nicht vornehmlich um Sex. Es geht um die Benennung ALLER Lebens- und Liebesformen. Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche mit einem Bewusstsein aufwachsen, dass es mehr gibt als Mann & Frau, schwarz & weiß, Vater, Mutter & Kind, dass es okay ist, wenn sie anders fühlen als ihre Mitschüler_innen*, darum, dass sie wissen, dass sie nicht alleine sind.

Lesbische Mädchen und Frauen werden heute nach wie vor diskriminiert, unsichtbar gemacht und sind täglichen verbalen und auch physischen Angriffen ausgesetzt. Und das nicht zuletzt aufgrund der beengten und kurzsichtigen Denkweise von Menschen wie Ihnen. Liebe Beatrix von Storch, hätten sie „obenrum“ mehr drin, würden sie nicht auf die Idee kommen, solche unqualifizierten und engstirnigen Sätze von sich zu geben wie den eingangs zitierten.

Kommen sie doch einfach mal im Junglesbenzentrum in Hamburg vorbei und überzeugen sie sich davon, dass die Lesben, die sich dort aufhalten wunderbare Mütter, Schwestern, Cousinen, Tanten und Freundinnen von denen von Ihnen so bedauerten „kleinen Stöpseln“ sind.

Grüße aus Hamburg, Gila Rosenberg Leitung Junglesbenzentrum (Dipl.-Päd.) 1. Logo kleinintervention

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