Die Struktur männlicher Herrschaft

Von Johanna Klages

Bourdieu: „Ich habe auch immer in der männlichen Herrschaft und in der Art und Weise, wie sie aufgezwungen und erduldet wird, das Beispiel schlechthin für diese paradoxe Unterwerfung gesehen, die ein Effekt dessen ist, was ich symbolische Gewalt nenne. Es gilt die Prozesse zu enthüllen, die für die Verwandlung der Geschichte in Natur und des kulturell Willkürlichen in Natürliches verantwortlich sind.“

Zur Vorgehensweise:

Da wir – Frauen wie Männer -, Teil unseres zu untersuchenden Gegenstandsbereich sind, denn auch wir Frauen selbst haben in Form von unbewussten Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata die historischen Strukturen der männlichen Ordnung verinnerlicht – so besteht Gefahr zur Erklärung der männlichen Herrschaft, dass auf Denkweisen zurückgegriffen wird, die selbst Produkt dieser Herrschaft sind. Um aus diesem Zirkel herauszukommen, müssen wir eine Strategie zur Untersuchung der „Verstandeskategorien“ oder Klassifikationsmerkmale“ finden, mit denen wir die Welt konstruieren und die aus dieser Welt stammen. „Die Struktur männlicher Herrschaft“ weiterlesen

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Linksfeminismus ist immer sozial

Kinder sind unser Kapital (Quelle: Website Frauke Petry)

Von Kersten Artus

Mit der AfD ist der Antifeminismus in die Parlamente eingezogen – unabhängig davon, ob sich die Partei zerlegt. Der Satz „Kinder sind unser Kapital“, den die AfD-Frontfrau Dr. Frauke Petry, mit dem sie ihre Website ziert, macht mehr als deutlich, auf welchem Fundament sie ihren Antifeminismus baut. Dass Kinder „Kapital“ sein sollen, drückt die neoliberale Geisteshaltung hinter dem konservativen Leitbild Petrys aus: Menschen sind Verwertungsobjekte. Und die Verwertungsmaschinerie muss fleißig produzieren: Nach ihrer Meinung gelten nur Familien mit drei Kindern als normal. „Linksfeminismus ist immer sozial“ weiterlesen

Das rechtskonservative Frauenbild der AfD

„Ich bin keine Feministin, weil Hausfrau sein auch ein Beruf ist.“ (Junge AfD, Tagesspiegel)

von Dr. Carola Ensslen

Es ist schon erstaunlich, dass ausgerechnet junge Menschen eine solche Aussage machen und das „Projekt Feminismus“ beenden wollen. Vorherrschend ist das Bild der zweigeschlechtlichen Kleinfamilie als „Keimzelle der Gesellschaft“ mit klassischer Rollenverteilung. Abtreibung, Quotenregelungen, homosexuelle Lebensweisen – das alles wird bekämpft. „Das rechtskonservative Frauenbild der AfD“ weiterlesen

Kreuzzug gegen Vielfalt

Die AfD bietet als einzige relevante Partei Menschen eine Zuflucht, die an einer Berechtigung der Homo-Ehe und einem schrankenlosen Abtreibungsrecht zweifeln. AfD-Aktivistin

von Carina Book

Ein Überblick über die gender- und familienpolitischen Positionen der AfD.

Sie erscheinen wie eine Bewegung aus längst vergangenen Tagen: Mit 1000 weißen Holzkreuzen und Parolen wie „Deutschland treibt sich ab“ oder „Frauen werden zur Abtreibung von Familie und Gesellschaft genötigt“ ziehen mehrere tausend DemonstrantInnen im September 2014 bei ihrem jährlichen Kreuzzug gegen Schwangerschaftsabbrüche, Pränatalmedizin und Stammzellforschung durch die Straßen Berlins. Abgesehen von AnhängerInnen der antisemitischen und höchst homophoben Piusbruderschaft, der Partei Bibeltreuer Christen oder dem christlich-fundamentalistischen Bundesverband Lebensrecht finden sich in erster Reihe auch andere bekannte Gesichter wieder: So zum Beispiel das der Beatrix von Storch, ihres Zeichens Europaabgeordnete der Alternative für Deutschland. Von Storch gilt parteiintern als Kopf des erzkonservativen christlichen Flügels der AfD, der neben dem marktradikalen und dem nationalkonservativen Flügeln einen der tragenden Pfeiler der Partei darstellt. „Kreuzzug gegen Vielfalt“ weiterlesen

Von der Quote zum Quötchen

Öffentliche oder private Ämter sind diskriminierungsfrei allein nach dem Maßstab der Qualifizierung und der Leistung zu besetzen. Die AfD lehnt Gleichstellungspolitik durch Quoten als normierenden Zwang ab. (Quelle: Wahlprogramm AfD zur Bürgerschaftswahl 2015)

Von Cornelia Möhring

Die meisten Gleichstellungsgesetze verankern die Frauenförderung, da Frauen aufgrund der problematischen Vereinbarkeit von Familie und Beruf benachteiligt seien. In der modernen Gesellschaft trifft dies jedoch sowohl auf Mütter als auch auf Väter zu. Es trifft aber nicht bei kinderlosen Frauen zu. Nach geltendem Recht ist es zulässig, bei gleicher Qualifikation eine kinderlose Frau einem Vater bei der Stellenbesetzung vorzuziehen. Diese antiquierte Rechtslage wird weder der gesellschaftlichen Realität noch dem Rechtsempfinden gerecht. (Quelle: Wahlprogramm AfD zur Bürgerschaftswahl 2015) „Von der Quote zum Quötchen“ weiterlesen

Gender Mainstreaming – was ist das?

„Die AfD lehnt ein Gendermainstreaming, das auf eine Aufhebung der Geschlechteridentitäten zielt, ab. Dieser ganze Genderkram zeigt eigentlich nur eines. Die Dekadenz einer gesättigten Gesellschaft. Was soll die Auflösung der biologischen Identität bringen? Nichts… Damit sich was ändert, brauchen wir Männer und Frauen, also Geschlechter wie Gott sie schuf. Forschungen zeigen, dass selbst Säuglinge je nach Geschlecht unterschiedliche Interessen hegen. So ist die Natur, das können Ideologen nicht wegdefinieren.“

Von Christine Detamble-Voss

Die AfD hat entweder den Unterschied zwischen Sex und Gender nie begriffen oder will ihn nicht begreifen.

Gender. Die englische Sprache unterscheidet zwischen dem biologischen Geschlecht (Sex) und dem sozialen Geschlecht (Gender). Mit Gender werden gesellschaftliche und kulturell geprägte Rollen,Rechte, Pflichten, Ressourcen, Interessen von Männern und Frauen bezeichnet. Mit mainstreaming ( = großer Strom), ist gemeint, dass dieser geschlechterbezogene Denkansatz in allen gesellschaftlichen Prozessen angewendet werden soll. Das Ziel ist, dass ein geschlechterbewusstes Denken und Handeln zum normalen und selbstverständlichen Handlungsmuster einer Organisation und einer Gesellschaft gehört. Es wird zum Arbeitsalltag. „Gender Mainstreaming – was ist das?“ weiterlesen

Die Schattenseiten von Ehe und Familie

Dieser ganze Genderkram zeigt eigentlich nur eines: die Dekadenz einer gesättigten Gesellschaft. Was soll die Auflösung der biologischen Identität bringen? Nichts. … Damit sich das ändert, brauchen wir Männer und Frauen, also Geschlechter, wie Gott sie schuf. Forschungen zeigen, dass selbst Säuglinge je nach Geschlecht unterschiedliche Interessen hegen. So ist die Natur, das können Ideologen nicht wegdefinieren. Das Geld für 250 Gender-Lehrstühle an deutschen Hochschulen könnten wir besser für unsere Familien verwenden. … Mir liegen die Initiativen für Ehe und Familie und gegen das elende Gendermainstreaming besonders am Herzen. (Beatrix von Storch, Quelle: kath.net)

Von Angelika Damm

Mir scheint, dass Frau von Storch vollständig ahnungslos ist was Gendermainstream bedeutet, aber dafür nicht gerade vorurteilsfrei. Ansonsten setze ich mich in meinem Arbeitsbereich täglich mit der Schattenseite der Ehe und Familie auseinander. „Die Schattenseiten von Ehe und Familie“ weiterlesen

Alle Lebens- und Liebensformen benennen

Die kleinen Stöpsel tun mir Leid, wenn sie in der Schule jetzt beigebracht bekommen, was Lesben unten rum machen. (Beatrix von Storch, Quelle: Der Tagesspiegel)

Von Gila Rosenberg

Liebe Frau von Storch!

Zu allererst folgendes: es gibt Worte für „untenrum“. Auch wenn Ihnen das anscheinend entgangen zu sein scheint, ist es wichtig und gesund, dass Mädchen und Frauen ihre Geschlechtsorgane benennen können. Wie wäre es z.B. mit Vagina, Scheide…? Selbst die Bezeichnungen „Genitalien“ oder „Geschlechtsorgane“ wären nicht so abwertend und negierend wie das Wort „untenrum“: „Alle Lebens- und Liebensformen benennen“ weiterlesen

Wie wichtig ist die Geburtenrate?

Wir sind auch die Alternative zur offen betriebenen Herabsetzung und Verhöhnung der Familie. Als natürlichste aller Gemeinschaften genießt für uns die Familie eine besondere Bedeutung und bedarf daher des besonderen Schutzes. … Ziel einer Familienpolitik … ist, die wertestiftenden Funktionen der Familie zu stärken und die Geburtenrate zu erhöhen. (Quelle: AfD-Wahlprogramm Landtagswahl Sachsen 2014, S. 2f.)

Von Susanne Lohmann

Hartnäckig hält sich in konservativen Kreisen die irrige Auffassung, Hebammen könnten ihreVertrauensstellung bei Schwangeren und Müttern oder ihre gesellschaftliche Position ganz allgemein dazu nutzen, Frauen dazu zu bewegen, mehr Kinder zu bekommen. „Wie wichtig ist die Geburtenrate?“ weiterlesen

So lange brauchen wir Gleichstellungsgesetze

In der Privatwirtschaft wie im Öffentlichen Dienst muss bei Stellenbesetzungen im Grundsatz die Qualifikation, nicht das Geschlecht den Ausschlag geben. Chancengleichheit für Frau und Mann auf allen gesellschaftlichen Feldern zu unterstützen und einzufordern muss das übergeordnete Ziel der Politik sein, anstatt Quotenregelungen und einzelfallbezogene Vorschriften zu erlassen. (Quelle: Europa-Wahlprogramm)

Von Karin Schönewolf

Es wäre ja so wunderbar, wenn Chancengleichheit das übergeordnete Ziel der Politik wäre. Stimmt, dann bräuchten wir keine Quote oder „einzelfallbezogene Regelungen“. Da dies aber nicht der Fall ist, brauchen wir Quoten und gesetzliche Regelungen. „So lange brauchen wir Gleichstellungsgesetze“ weiterlesen

Wie Rassismus aus Wörtern spricht

„Die Indianer konnten die Zuwanderung nicht stoppen. Heute leben sie in Reservaten” 
(AfD auf Twitter)

Von Tanja Chawla

Dass die AfD offensichtlich Angst vor dem vermeintlich Fremden hat, ist wenig überraschend. Dass es ihnen aber den Verstand geraubt hat, so dass sie mit geschichtsverfälschenden populistischen Argumenten arbeiten, ist für eine Partei, die eine hamburgische Oppositionsfraktion stellt besorgniserregend! Wer Karl May als einziges vermeintliches Geschichtsbuch gelesen hat, sollte keinen Fußbreit in die Politik setzen! „Wie Rassismus aus Wörtern spricht“ weiterlesen

Es genügt schon ein Blickwechsel

Der Familiennachzug ist deutlich einzuschränken (z.B. Kindeshöchstalter 16 Jahre, kein Nachzug für Enkel, Großeltern, sonstige Verwandte wegen häuslicher Gemeinschaft, Personen in „dauerhafter Beziehung“). Familiennachzug bedarf des Nachweises der dauerhaften Sicherstellung des Lebensunterhalts. Der Bezug von Kindergeld ist auf die Leistungen zu beschränken, auf die in den Herkunftsländern Anspruch besteht. Angesichts der sich schon seit 1,5 Jahren hinziehenden Armutseinwanderung aus Serbien und Mazedonien in die Sozialsysteme – vor allem sog. Roma – ist eine Aufhebung der Visafreiheit für diese beiden Staaten anzustreben. (Quelle: Wahlprogramm AfD zur Bürgerschaftswahl 2015)

Von Saide Sesin

Öfter genügt ein Blickwechsel, um etwas zu verstehen. Vielleicht hilft den ungebildeten und unbedachten Äußerungen einiger Politiker*innen zum Thema Zuwanderung der Blickwechsel, welchen ich als Migrantin einbringen kann. Es ist mir bewusst, dass solche Politiker*innen nicht klüger werden, aber wenigstens sollte ihnen nicht gelingen, die faktische, konkrete Realität der Zuwanderung zu vertuschen oder zu verleugnen. „Es genügt schon ein Blickwechsel“ weiterlesen

Das Private ist politisch – immer noch!

Die AfD lehnt die Bekämpfung traditioneller Geschlechterrollen und Familienentwürfe durch staatliche Stellen ab. Wir sind der Überzeugung, dass unsere Bürger mündig genug sind, um selbst zu entscheiden, welche Geschlechterrollen und Familienentwürfe die richtigen sind. (Quelle: Wahlprogramm der AfD zur Bürgerschaftswahl 2015)

Von Elke Peine

Zunächst einmal: Nicht Regierungen oder „staatliche Stellen“ >bekämpfen< Familienentwürfe. Gesellschaftliche Strukturen, insbesondere die Organisation von Erwerbsarbeit und damit einhergehende Vorstellungen von spezifischen Zuständigkeiten und Aufgaben von Männern bzw. spezifische Zuständigkeiten und Aufgaben von Frauen regeln das öffentliche und das private (Familien-)Leben. Sie führen zu Widersprüchen, die die Menschen unterschiedlich erleben und zu leben versuchen. Diese Widersprüche weisen auf Probleme oder Unvereinbarkeiten hin, die mit der jeweiligen Familienform, den unterschiedlichen Anforderungen an Frauen bzw. Männer verknüpft sind. „Das Private ist politisch – immer noch!“ weiterlesen

Hamburg schließt das Tor zur Welt?

Im Bereich von Zuwanderung wenden wir uns gegen Multikulti-Utopien und ethnische Parallelgesellschaften in unseren Städten. Wir wollen die Integration der dauerhaft in Hamburg lebenden Ausländer als Voraussetzung für ein friedliches Miteinander fördern und fordern. Integrationsverweigerung darf vom Staat nicht hingenommen werden. Es gelten die Grundsätze: „Keine Partizipation ohne Integration“ und „Integration ist primär eine Bringschuld der Zuwanderer“. In diesem Zusammenhang fordern wir überdies – wie in Frankreich oder Belgien auch – ein Verbot der Vollverschleierung. (Quelle: Wahlprogramm AfD zur Bürgerschaftswahl 2015)

Von Zaklin Nastic

Unsere schöne Stadt, welche auch gerne das Tor zur Welt genannt wird, hat gewählt, nun ist die rechtspopulistische AfD als Sprachrohr der „jetzt reden wir“ National-konservativ-liberalen, in der Bürgerschaft vertreten.

Während Bernd Lucke krampfhaft versucht, die AfD als liberal-konservative Partei zu beschönigen, wird beim genauen Beobachten schnell klar: die AfD pflegt eine radikale nationale Ausrichtung. Dabei wettert sie auch gerne gegen Migrantinnen, Flüchtlinge und den Feminismus. „Hamburg schließt das Tor zur Welt?“ weiterlesen

Warum sind bestimmte Berufe Frauenberufe?

„Wichtiger, als sich auf das Aufbrechen von geschlechtsspezifischen Rollenverständnissen als vermeintliches gesellschaftliches Problem zu konzentrieren, wäre es, die Berufsberatung junger Menschen praxisnaher zu gestalten. Von besonderer Bedeutung wäre dabei auch, den Wert einer guten Ausbildung im Vergleich zu einem unambitioniert verfolgten Studium hervorzuheben und hierdurch Jugendlichen eine bessere Orientierung zu geben.“ (Quelle: AfD-Fraktion Thüringen)

Von Angelika Gericke

Warum, fragte ich mich, bilden sie Gegensätze, wo es gar keine gibt? Warum ist es wichtiger, die Berufsberatung junger Menschen praxisnah zu gestalten als sich um das Aufbrechen von geschlechtsspezifischen Rollenverständnissen zu konzentrieren? Und warum sind geschlechtsspezifische Rollenverständnisse ein nur vermeintliches gesellschaftliches Problem? Ist ein derartiges Rollenverständnis nicht ein generelles gesellschaftliches Problem?

„Warum sind bestimmte Berufe Frauenberufe?“ weiterlesen

Gesundheit ist ein sozialer Zustand

Niemals sollte es sich lohnen, staatliche Sozialleistungen leistungslos zu kassieren, anstatt zu arbeiten, soweit dies Alter und Gesundheit zulassen. (Quelle: Wahlprogramm AfD zur Bürgerschaftswahl 2015)

Von Regina Jürgens

Diesen Satz im Wahlprogramm der AfD muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da fragt sich frau doch, wo leben die Herrschaften der AfD eigentlich? Haben sie eigentlich schon mal was davon gehört, dass die Arbeit in diesem Land immer weniger wird, die Arbeitszeit sich aber dementsprechend nicht verkürzt, sondern im Gegenteil sogar verlängert?

Wenn die Erwerbsarbeit gerecht verteilt würde, dann hätten wir nur noch eine 20-Stunden-Woche an Vollzeit nötig, und zwar alle, nicht nur die Frauen in Teilzeit, die sowieso schon gerne ihre Erwerbsarbeit einschränkten zum Wohle der Familienarbeit, die ja auch noch getan werden muss….!

Und was verstehen die Herrschaften unter leistungslos? Eine Frau alleinerziehend mit zwei Kindern, wenn die ihren Haushalt schmeißt und keiner Erwerbsarbeit nachgeht, kassiert sie dann etwa leistungslos Sozialleistungen? Werten Herren der AfD, da ist noch einiges zu lernen. Zum Beispiel, wie eine Gesellschaft insgesamt funktioniert: Nur wenn neben der Erwerbsarbeit auch die Arbeit getan wird, nämlich die Sorgearbeit in Familie und Nachbarschaft, die unser Zusammenhalten ermöglicht.

Außerdem die Arbeit im Stadtteil, in den Gewerkschaft und Sportvereinen, also im sozialen Gefüge… Alles das sind auch Leistungen, selbst wenn dafür kein Geld gezahlt wird! Schon mal nachgedacht darüber? Oder einfach nur die Augen verschlossen und weiter so und nur „ich, ich, ich“ gedacht?

Was ist wohl damit gemeint, wenn es bei der AfD heißt „soweit dies Alter und Gesundheit zulassen“? Es ist lapidar so daher gesagt. Gesundheit und soziale Lebenslage sind eng miteinander verkoppelt. Grob gesagt leben Menschen ohne finanzielle Nöte sieben Jahre länger als arme Menschen. Auch bei einer Frühverrentung aufgrund einer Erkrankung oder eines Unfalls steigt das Armutsrisiko erheblich an. Die Zahl der Frühverrentungen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Lebensereignisse wie eine Krankheit, ein Unfall oder Arbeitsplatzverlust werden in dieser Gesellschaft nur unzureichend überbrückt, bzw. aufgefangen. Wer nicht privat vorsorgen kann, rutscht sehendes Auges in die Armut und das heißt: die Lebenserwartung sinkt.

Es ist leichtfertig und fahrlässig von der AfD, Sätze wie oben zum Programm zu erheben. Dahinter steckt ein unsoziales und auch apolitisches Menschenbild. Nachgewiesen ist doch, dass Hartz IV Armut per Gesetz bedeutet. Wer hineingeraten ist, hat kaum eine Chance, wieder unabhängig leben zu können. Es ist Zynismus pur zu sagen, dass sich Sozialleistungen nicht lohnen sollen. Sozialleistungen sind das Minimum, um zu überleben. Wer diese auch noch streichen will, riskiert die Gesundheit von Menschen und damit letztlich Menschenleben.

Wir benötigen vielmehr eine solidarische Bürgerinnen- und Bürgerversicherung, auskömmlich finanzierte Krankenhäuser sowie die bedarfsgerechte Finanzierung von Krankheiten, bzw. Behandlungsfällen. Wir brauchen mehr Pflegepersonal, regelmäßige Gesundheitsberichte und eine gerechtere Verteilung von Ärztinnen und Ärzten.

Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlich, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen. So lautet die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das ist der Maßstab, der der AfD scheinbar völlig abgeht.

reginajuergens

Ökonomische (Un)abhängigkeit von Frauen

„Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist.“ (Junge AfD, Tagesspiegel)

Von Dr. Carola Ensslen

Aus dem rechtskonservativen Frauenbild lassen sich Gründe ableiten, warum Frauen ökonomisch abhängig sind: Die Rolle als Hausfrau und Mutter – ganz oder teilweise – geht mit ökonomischer Abhängigkeit von Frauen einher. Sie gehen – wenn überhaupt – in weit geringerem Umfang sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen nach als Männer. „Ökonomische (Un)abhängigkeit von Frauen“ weiterlesen

Sexarbeit gehört entstigmatisiert

Am Problem Prostitution ist nur die Einwanderung schuld! (AfD Mannheim)

Von Kersten Artus

Als die Sozialpolitikerin Magda Langhans im Parlament über die Razzien sprach, mit denen die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten verhindert werden sollten, stellte dies eine ungeheure Provokation dar. Denn die Abgeordnete skandalisierte, dass die Zwangsuntersuchungen nur an Frauen durchgeführt wurden. Drei- bis viermal, so prangerte Langhans in ihrer leidenschaftlichen und zugleich gestrengen Art an, würden Frauen zur Untersuchung müssen, die Männer hingegen unbehelligt bleiben. Magda Langhans war Abgeordnete der KPD in der Hamburgischen Bürgerschaft und hielt diese Rede 1946.1 „Sexarbeit gehört entstigmatisiert“ weiterlesen